Ein rasentes Weltraumabenteuer auf der Suche nach einem neuen Mond für die gute alte Erde ...
Leseprobe
Jetzt kurz vor Vollendung seines Werkes war Ihm doch etwas mullmig zumute. Wie würden die Amerikaner wohl reagieren, wenn er ihnen, wenn auch auf sehr einfache Art und Weise, zuvorkommen würde? Er überprüfte nochmal seine Berechnungen den Winkel und die Triebwerke. Alles schien durchdacht und in bester Ordung – aber die Zweifel blieben. Dann lief er zur Böschung und warf einen Blick in die riesige Grube in der die ungeheure Spule ruhte. Vierhunderttausend Kilometer Nylonseil – das sollte reichen. Auch der Düsenlift stand einsatzbereit. Gerade kam Polle durch das Gartentor, mit einer großen Tüte Schockoladengebäck.
>Alles bereit zum Start?< >Ich denke schon<, grinste Shane. >Dann stürzen wir uns mal ins Unglück, was denkst du?< >Soll ich den Countdown zählen?< >OK. Leg los!< >Drei - Zwo - Eins – Start!<
Shane zündete die Triebwerke und schaltete die Spulenmotoren an. Die Rackete schoss mit einem schrillen Pfeifen durch die Luft und die große Spule in der Grube hinter ihnen surrte laut auf. Shane und Polle standen mit offenen Mündern in der Dunkelheit der Nacht und sahen dem Feuerschein der Rakete hinterher. Die Rakete stieg in die Höhe, die Richtung stimmte exakt und blieb auch nach dreißig Sekunden Flug stabiel. >Wow, das sieht gut aus< >Warten wir's ab. Trinkst Du auch ein Bier?<
Während Shane und Polle die berechnete Zeit verstreichen ließen, die die Rakete bis zum Mond benötigen würde, setzten Sie sich unter den Walnussbaum und genossen was sie sich wohl verdient hatten. Was sie allerdings nicht ahnten, da die Rakete kein Überwachungssystem hatte, spielte sich zur gleichen Zeit in der Umlaufbahn der Erde ab.
Anderthalb Stunden und sechs Bier später hörten Shane und Polle aus der Ferne ein ihnen bekanntes Surren. Shane sprang auf, nahm sein nachtsicht-fähiges Fernglas zur Hand und fluchte. >Da ist was schief gegangen, ich hab's geahnt<. Die Rakete kam nun genau aus der entgegengesetzten Richtung wie sie startete und zog dabei die statische Nylonschnur hinter sich her – einmal rund um den Globus. Mit atemberaubender Geschwindigkeit schoss sie über ihren Köpfen hinweg und verschwand wieder am Horizont. Jetzt hieß es handeln denn wenn das rauskäme, dass sie hier in aller Seelenruhe die Erde mit einer blauen Nylonschnur umgarnten, würde es sicher Ärger geben. Wer weis was die Schnur in den anderthalb Stunden schon angerichtet hatte.
Shane reagierte blitzschnell. >Polle. Schau auf die Uhr! Wieviel Zeit ist seit dem Start vergangen?< >Eine Stunde und dreißig Minuten.< >Ok wir haben die gleiche Zeit, um uns etwas einfallen zu lassen. Wir müssen die Rakete wieder da runterholen und zwar genau hier in den Garten!<
Exakt eine Stunde und dreißig Minuten später stand Polle, der mittlerweile drei Gebäckstücke verschlungen hatte, am Motor der großen Spule und wartete konzentriert auf ein Zeichen von Shane, der mit dem Fernglas in der rechten auf dem Wahlnussbaum saß und sich mit der linken an einem Ast festhielt. Beide waren Muxmäuschenstill. Dann ein Pfeifen. Aus östlicher Richtung kam die Rackete herangesaust und hielt direkt in ihre Richtung. Shane wartete einen Moment, Polle hatte schon den Daumen auf dem Schalter des Motors - >Jetzt!< rief Shane. Polle drückte den Schalter und der Motor, der die Spule des Seils antrieb damit die Kraft des Abwickelns nicht den Schub der Rackete bremste, kam zum stehen. Die Rackete heulte auf, das staische Nylonseil spannte sich und drohte, immer dünner werdend zu reißen. Anspannung lag in über Shane und Polle. Die Rakete schien am Himmel stehen zu bleiben und kämpfte gegen die Nylonschnur an. Dann ganz plötzlich trudelte sie und sank. Genau zwischen Shane und Polle schoss sie zu Boden und hinterließ einen lehmigen Krater von anderthalb Metern Durchmesser.
Aus dem Krater heraus führte eine statische Nylonschnur von etwa zweikommafünf Milimetern Durchmesser geradewegs nach Osten – die nach neunzigtausend Kilometern, zweimal um die Erde gewickelt nur etwa Fünf Meter weiter in einer riesigen Spule endete.
Was derzeit rund um den Globus, unterhalb der Umlaufbahn, die die Rackte genommen hatte, geschah, wollten Shane und Polle garnicht wissen.
*
Windows
Durch folgende Tat bekam der Begriff „Windows“ eine völlig neue und tiefgreifendere Bedeutung:
... so kam es, dass Luk vor einigen Wochen, zu später Stunde das Fenster im Dachstuhl öffnete und mit einem befreienden Stöhnen seinen Rechner samt Bildschirm, Maus, Tastatur, Drucker, Scanner und externer Festplatte durch die enge Öffnung zwang und allen Teilen winkend hinterhersah, bis sie mit lautem Getöse die Straße erreichten und in die ewigen Datengründe übergingen. Dann schloss er das Fenster wieder und fühlte sich mit einem Male unglaublich erleichtert und befreit.
Sanfte Wellen umgaben das kleines Papierbot, welches mit Stiften, Radiergummis, Anspitzern und Linealen gefüllt war. Irgendwo im Maschienenraum des Din-A0-Kreuzers ratterte der Kopierapparat und tat zufrieden seine Dienste. Luk fühlte sich frei und entspannt. Eine Möwe kam vom fernen Ufer her und setzte sich auf die dünne Papierreling, sodass diese gleich einknickte und das arme Tier beinahe ins Wasser gefallen wäre. Ruhig war es. So ruhig, dass es ihm schwer fiel, seinem Traum Glauben zu schenken, als er von einem lauten Gehupe geweckt wurde.
>Nachbaaar!< rief eine ihm bekannte Stimme von draußen. Er richtete sich auf, kratzte sich am Kopf und hatte Mühe die Augen zu öffnen. Es tutete ein weiteres Mal.
>Moment< rief Luk. >Ich komme gleich ...<
Draußen saß Luks Nachbar in seinen Geländewagen und machte aus dem geöffneten Fenster ein ernstes Gesicht. Vor seinem Wagen, auf der Straße, lag ein Haufen Schrott, der sieben Stunden vorher noch ordentlich auf Luks Schreibtisch stationiert war.
>Räumen Sie den Scheißdreck von der Straße! Ich muss hier durch< rief der freundliche Mann. Da hatte er ausnahmsweise mal Recht: Es war ein Scheißdreck. Wenn die Geräte wirklich zu etwas nütze gewesen wären, hätte Luk sie ja nicht in der Nacht aus dem Fenster geworfen.
Während er die Reste seines Comuters an den Rand der Privatstraße räumte und sein Nachbar mit den Fingern auf dem Lenkrad trommelte, richtete Luk sich auf, lächelte ihm zu und sagte:
>Windows! Das ist das Geheimniss des Betriebssystems. Mann soll es aus dem Window werfen.<
Das schien der Nachbar nicht verstanden zu haben und brauste ohne eine Geste an Luk vorbei.
>Ignorant!< rief er ihm hinterher. >Acht Stunden täglich schaffen und glauben damit seis getan ... Teufel auch<. Es half nichts. Die Welt ist voller Dinge die den Bildzeitungsverstand übersteigen. Da kann man nichts machen.
Während des Frühstücks war die Welt noch in Ordnung, als Luk jedoch mit dem Löffel den Grund der Eierschale erreichte, offenbarten sich ihm gedanklich die Folgen seines konsequenten Handelns der letzten Nacht. Das virtuelle Fenster durch das reale Fenster zu verschieben, hatte nicht nur ernstzunehmende Folgen was die Hardware betrifft. Die Software-folgen waren viel gravierender. Wie man mit Stift und Papier umgeht war ihm durchaus noch geläufig, aber der geschäfliche feinstoffliche Vorgang war ohne Internet kaum noch vorstellbar. Wie hat man das damals gemacht? Geschäfte, Verhandlungen, Werbung, Präsentationen ohne Internet? Müßte er nun überall anrufen und sich freundlich vorstellen? >Versende ich massenhaft Kataloge damit ich meine Arbeiten zu Geld machen kann? Werden Kunden überhaupt noch etwas Kaufen, wenn ich via Email garnicht erreichbar bin? Nein! < Soviel stand fest: Kein Mensch würde ihm einen Brief schreiben um über ein Geschäft zu verhandeln.
Aber dem Telfon hatte er ja nicht den Krieg erklärt.
Das Telefonieren ist ungefähr so wie Bahnfahren und Bahnfahren fand Luk akzeptabel. Er ist früher sogar außerordentlich oft und gerne Bahngefahren. Dem Handy hingegen hatte Luk schon vor langer Zeit den Dienst gekündigt. Das hing hauptsächlich damit zusammen, dass er wegen der vielen Arbeit nicht mehr dass Haus verließ und daher kein Handy benötigte. Es würde ihm auch heute nicht im Traum einfallen ein Handy mitzunehmen, wenn er sich irgendwo herrumtrieb, es seih denn, er täte dies mit dem Auto. Ein Autotelefon ist zwar nicht mit Bahnfahren zu vergleichen, aber er reiste auch gerne erster Klasse.
Ihm blieben also Papier, Stift und das Telefon. Nur die Sache mit den vielen wichtigen Informationen, die ihm das Internet bisslang freihaus lieferte machte ihm Sorgen. Wo sollte er in Zukunft ohne Computer all diese Informationen herbekommen? Kein Internet, kein Google, kein Wikipedia. Keine Informationen. Der Brockhaus kam Luk spontan in den Sinn. Viele dicke Bücher in denen früher praktisch alles stand was man wissen musste. Er befürchtete nur, dass das Problem in dem Wort Früher steckte. Denn unmöglich konnte der Brockhaus alles wissen, was an aktuellen Informationen in sekundenschnelle durch das Internet in aller Welt abrufbar war. Er starrte in die ausgekratzte Eierschale und ihm wurde schlagartig bewusst, dass er es hier mit einer außerordentlichen Herausvorderung zu tun hatte. Es lag klar auf der Hand:
Er musste wahnsinnig geworden sein.
>Ein Leben ohne Computer – kein Problem! Das kriegen wir schon hin – hat ja früher auch geklappt. Nur Mut Junge, streng deinen Grips an und mach was drauß!< Luk versuchte zu lächeln, was ihm nur missmutig gelang und er beschloss runter ins Dorf zu fahren um Papier und Stifte zu kaufen. Dann müsste er noch zur Post und ausreichend Briefmarken und Umschläge besorgen, einen Kopierapparat bestellen und ... ein Zeichenbrett. Er brauchte ein großes Zeichenbrett. Radiergummis, Pinsel, Farben, Lineale und einiges mehr. Dann fiel ihm ein, das er zudem nicht nur ein Fotolabor einrichten müsste, sondern, dass auch seine Digitalkamera am kommenden Abend, aus dem selben Fenster, zu dem Haufen Digitalschrott auf die Straße geworfen werden müsste. >Meine Digitalkamera!< Eine grauenvolle Vorstellung durchfuhr Luk. Er beschloss sie einzupacken und sie beim Fotohändler gegen anlaoge Geräte einzutauschen. Denn seine Digitalkamera war nicht mit einer Bahnfahrt zu vergleichen. Sie hatte ihm nichts getan und war auch immer gut zu ihm gewesen.
Als Luk ins Büro ging um seine Tasche zu holen, fiel sein Blick auf den leeren Schreibtisch. Wie ein Elektroschock fuhr es ihm durch den Kopf: >Meine Emails! Oh mein Gott – wer beantwortet jetzt meine Emails?< Er zwang sich ganz ruhig zu bleiben.
Auch dafür müsste es eine Lösung geben.
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