2007 - Der Heilige Schutzbaum der alten Germanen ist der Göttin Freya geweiht, war seit eh und je Versammlungsort und sein wohlduftendes Blätterdach schmeichelt den Liebendenden, die unter ihm verweilen. Die Herzform der Blätter offenbart uns einiges über den Charakter des Baumes, unter dessen Krone mancher zum Tanze verleitet wird. So scheint es, denn seit frühester Zeit luden Menschen die Linde ein, in ihrer Mitte zu wachsen, wo rauschende Feste und Kundgebungen stattfanden. Vor dem Einzug großer Gerichtshallen fällte man über ihren Wurzeln auch Urteile, zog Vergleiche und beschloss Gesetze.
Wer einen Tee aus seinen Blüten bereitet, der wird mit dem wohlschmeckenden Getränk Herr über Erkältungskrankheiten und stärkt dabei seine Abwehrkräfte. Die Blüten wirken schmerzlindernd, entspannend und leicht abführend. Die Blätter schmecken übrigens sehr gut und färben Stoffe hell bis dunkelbraun. Die Rinde wurde lange für verschiedenstes Flechtwerk genutzt, denn sie ist äußerst flexibel und robust.
Ältere Linden produzieren so viel Sauerstoff, dass ungefähr 25 Menschen davon atmen können, sie filtern Staub aus der Luft, und sind Lebensraum für eine ganze Reihe von Tierarten, insbesondere von Vögeln und Insekten. Bis zu 60000 Blüten entwickelt sie mit ihrem Nektarreichtum und von dem süßen Duft werden Bienen und Schwebfliegen angezogen, denen der Baum eine reichhaltige Nahrungsquelle ist.
Kaum ein Dichter vergangener Zeiten kam mit seinen Werken an dem Baum vorbei, der Kreativität und Lebensfreude auf uns Menschen übergehen lässt. Milde ist sein Gemüt - freundlich und beruhigend. Als ich mich auf den Weg machte, ein paar schöne Fotos von ihm zu machen, fuhr ich übers Land und stellte fest, dass auch noch heute auf den Dörfern, an öffentlichen Plätzen junge Linden gepflanzt werden. Die Linde hat sich über die Jahrtausende in unserer Mitte mit ihren geselligen Eigenheiten behauptet. Sie ist also auch Wahrzeichen alter Kulturen, die fortan unsere rasante Zeit durch sie überdauern.

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